Drei Kommentare zu dem Corona-Artikel von P. Nowak bei de.indy

Autor: anonym Themen: Biopolitik Soziale-Kämpfe Covid19, Corona Datum: 11. Oct 2020 18:29 Quelle: http://mphvik4btkr2qknt.onion

Da hier eh schon - unabhängig von de.indy - über Corona-Präventionsmaßnahmen diskutiert wird, und da Kommentare von de.indy nicht automatisch gespiegelt werden, seien die Kommentare unter dem heutigen Artikel von P. Nowak - http://mphvik4btkr2qknt.onion/node/1602374400108756/ - hier per Hand hinkopiert:

KOMMENTAR 1 - https://de.indymedia.org/comment/263998#comment-263998 -:

Corona und die Linke
Von: unbenannt am: 11.10. - 10:32

Die Linke liegt bei 7 Prozent,das ist die Antwort die Kipping in großen Teilen zu verantworten hat .

Aber es ist nicht nur die Linke die dies zu verantworten hat ,sondern eine Medienpolitik die sich komplett hinter die Maßnahmen der Regierenden gestellt hat . So war und ist die Taz zum willigen Erfüllungsgehilfen der Regierung mutiert .Selbst viele ehemals kluge Köpfe sprich Kommentatoren , ( hier spreche ich von Linken) waren zu großen Teilen einhellig der selben Meinung . Traurig aber war,wie völlig kritiklos Beistand geleistet wurde . Tragisch ist ,das an dieser Regierungsmeinung weiter festgehalten wird .

Es gibt bei der Taz nur noch wenige Journalisten die Farbe bekennen. Positiv ist da nur noch Erik Peter zu erwähnen ,der sich für die Liebig 34 in seinem Kommentar einsetzt . Er spricht von einer Kultur Berlins,die ohne die Hausbesetzerscene als prägend für Berlin,zu einer letztendlich dem Mainstream gleichgeschaltete Stadt mutieren würde . Hab Dank dafür.

Eine Linke die Angst hat und dafür ist Kipping ein Paradebeispiel ,ist das traurige Ergebniss intellektueller Dekadenz ,die satt an ihren Schreibtischen sitzen und vergessen haben wofür sie stehen sollten . Hoffen wir auf Besserung,was bleibt auch anderes über .

KOMMENTAR 2 - https://de.indymedia.org/comment/264007#comment-264007 -:

Keine Frage des Mutes
Von: Autor/Gruppe * am: 11.10. - 12:28

> Mit einer Politik der Angst werden Freiheitsrechte eingeschränkt

> die Durchsetzung der Maßnahmen funktioniert nur über die Logik der Angst.

> es ging um eine Politik der Angst zur Durchsetzung von Gesundheitsmaßnahmen

> Dass Staatsapparate Angst machen, um besser durchregieren zu können, scheint auch bei Kritikern autoritärer Staatlichkeit zu greifen.

> Die Politik der Angst hat auch dazu geführt,

> Angst vor Corona

> Die Politik der Angst wirkt und genau hier liegt das Problem.

> wenn wir die Angst überwinden und endlich fordern, was gegen Krankheiten wirklich hilft

So oft, wie in dem Artikel von "Angst" und "Politik der Angst" die Rede ist, stellt sich die Frage: Was ist damit genau gemeint? Wird mut- und böswillig vor etwas Angst gemacht, das eigentlich ziemlich ungefährlich ist? Oder besteht tatsächlich eine Gefahr?

Wenn es am Ende des Artikels heißt, "ein Gesundheitssystem, das dafür sorgt, dass ..., so wenige Menschen wie möglich sterben müssen", dann scheint der Autor zuzugestehen, dass es durchaus ein Sterberisiko gibt.

Weiter oben heißt es in dem Artikel: "Es ging nicht darum zu skandalisieren, dass Menschen an eigentlich heilbaren Krankheiten sterben müssen, und es wurde nicht medizinische Behandlung für alle, die sie brauchen, gefordert."

Zwar ist den Forderungen nach einem gut gestatteten Gesundheitssysten und höheren Löhnen für GesundheitsarbeiterInnen zuzustimmen.

Aber es gibt auch jetzt keine sicher wirkenden Medikamente. Es gibt bisher nur Medikamente, die das Sterberisiko senken. Welche das sind, musste zunächst einmal ausprobiert werden. Im Krankenhaus zu liegen und die etwaigen Nebenwirkungen von Medikamenten sind auch kein Vergnügen. Außerdem behielten einige PatientInnen bleibende Schäden von ihrer Erkrankung zurück.

Das heißt: Jene Forderungen sind zwar richtig, aber nicht ausreichend.

Hinzukommt: Ein Land kann - wie die BRD - ein relativ gut ausgestattetes Gesundheits- und insbesondere Intensivmedizinsystem haben, und es hat dann ein Polster von ein paar Wochen gegenüber Ländern, die geringere ökonomische Möglichkeiten haben oder noch stärker neoliberalisiert sind.

Der Autor spricht "die berüchtigte Herdenimmunität" an. Unklar bleibt, ob er sie für anzustreben hält oder ob sie für ihn nur ein Gedankenexperiment ist.

Klar ist jedenfalls: Bisher gibt es in der BRD knapp 10.000 Covid 19-Todesfälle. Darunter dürften - anders als in Spanien, Italien, Frankreich, UK und den USA - sehr wenige sein, die gestorben sind, weil sei eine zum jeweiligen Zeitpunkt bekannte und mögliche Behandlung (aus Kostengründen oder wegen Überforderung des Gesundheitssystems) nicht erhielten.

Außerdem gab es in der BRD bisher gut 300.000 bestätigte Infektionen und es gibt gut 80 Millionen EinwohnerInnen. Das heißt: 3 Millionen bestätigte Infektionen würde 100.000 Todesfälle und 30 Mio. bestätigte Infektionen würden 1 Mio. Todesfälle sowie entsprechend mehr Krankenhaus-PatientInnen bedeuten. Selbst wenn es gelängte, das Sterberisiko auf 1/10 des bisherigen Werte zu drücken (was kurzfristig unmöglich sein dürfte), würden 30 Mio. bestätigte Infektionen 100.000 Todesfälle und entsprechend mehr Krankenhaus-PatientInnen bedeuten.

Hinzukommt: Um das Sterberisiko bei stark ansteigenden Infektionszahlen auf dem bisherigen Niveau zu halten oder sogar zu senken, müssten ganz schön viele zusätzliche Krankenhäuser gebaut, ÄrztInnen und PflegerInnen ausgebildet werden - was alles Zeit benötigt.

Das heißt: Krankheitsprävention ist durchaus keine irrtionale Angshasigkeit und keine - einem bösartigen politischen Kalkül folgende - Strategie, sondern vernünftig. - Genauso wie Arbeitsschutz und Emmissionsschutz vernünftig sind und es nicht sinnvoll wäre, erst / bloß die Opfer von Unfällen und Emissionen zu behandeln, aber auf Gefahrenreduzierung zu verzichten

KOMMENTAR 3 - https://de.indymedia.org/comment/264008#comment-264008 -:

Identisch mit Kommentar 1.

KOMMENTAR 4 - https://de.indymedia.org/comment/264039#comment-264039 -:

Madrid
Von: * am: 11.10. - 16:00

> Auch in Spanien haben sich fatalerweise die Rechten als Verteidiger von Freiheitsrechten gegen eine linksreformerische Regierung profilieren können, wie so oft in den letzten Monaten auch in anderen Ländern. Als Antwort auf die juristische Niederlage hat die spanische Regierung jetzt den Notstand über Madrid ausgerufen, um die vom Gericht gekippten Maßnahmen doch noch durchzusetzen.

Die konsevative Madrider Stadt- und Regionalregierung verteidigt nicht Freiheitsrechte, sondern stellt wirtschaftliche Interesse über Gesundheitsschutz: "Die spanische Linksregierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez wolle mit den Maßnahmen Madrid 'zerstören'. Wie auch der konservative Bürgermeister von Madrid fürchtet sie [die Regionalregierung], dass ein zweiter Lockdown in diesem Jahr der Wirtschaft der spanischen Hauptstadt den Todesstoß versetzen könnte, worunter auch der Rest des Landes stark leiden würde." (https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/corona-lockdown-in-madrid-ab... vom 04.10.2020)

"Seit Wochen erinnert die Lage in Spaniens Hauptstadt immer stärker an das Frühjahr und weckt traumatische Erinnerungen. In den vergangenen sieben Tagen wurden fast 16.000 Neuinfektionen registriert. Das sind 234 Fälle pro 100.000 Einwohner – in einigen Vierteln sind es jedoch fast drei Mal so viele. In den Krankenhäusern liegen mehr als 3500 Covid-Patienten, mehr als 500 in den Intensivstationen. Zum Vergleich: In Berlin zählt man derzeit 37 Neuinfektionen (pro 100.000). Aber in Deutschland greifen schon ab 35 Fällen strengere Regeln. Dieser Grenzwert ist in ganz Spanien schon seit August überschritten, ohne dass viel geschah. Die spanischen Infektionszahlen sind zehn Mal so hoch wie in Deutschland." (ebd.)

In Berlin hat zurzeit 159 Covid19-Krankenhaus-PatientInnen, davon 40 IntensivpatientInnen unterschiedlicher Art (https://www.berlin.de/corona/lagebericht/)

In den letzten 7 Tagen hatte Berlin 2.192 Neuinfektionen (ebd.).

Madrid hat also - im Vergleich mit Berlin - nicht nur ein Mehrfaches an Neuinfektionen, sondern auch mehr bereits krankenhaus-bedürftige PatientInnen und mehr intensivbedürtige Menschen (im Verhältnis zur Zahl der Neuninfektionen) - der Anteil der schweren Verläufe ist also höher. Allerdings ist der Anteil der IntensivpatientInnen unter den KrankhauspatientInnen geringer als in Berlin. - Das dürfte auf Kapazitätsengpässen auf den Madrider Intensivstationen hinweisen.

Dies unterstreicht die Richtigkeit der generellen Forderung des obenstehenden Artikels nach besserer Ausstattung des Gesundheitswesen; aber es unterstreicht auch, dass es sehr wohl eine erhebliche Gefahr für Madrider Bevölkerung gibt und dass kein Grund besteht mit der Position der dortigen konservativen Regional- und Stadtregierung zu sympathisieren - zumal diese durchaus selektive Maßnahmen ergreift, aber vorrangig zulasten der ärmeren Viertel ("Es trifft vor allem die ärmeren Viertel im Süden von Madrid, in denen überwiegend Arbeiter und Einwanderer wohnen. Die konservative Regionalregierung spricht von 'selektiven' Ausgangsbeschränkungen, sie seien nötig, um einen härteren Lockdown für die Hauptstadtregion mit 6,7 Millionen Einwohnern zu verhindern, die mehr als ein Drittel aller Corona-Fälle Spaniens registriert." - https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/corona-in-spanien-demos-gege... vom 20.09.2020).

Wenn an der Position der Zentralregierung etwas zu kritisieren ist, dann, dass sie nicht auch die Unis und einen erheblichen Teil Fabriken und Büros schließt (vgl. noch einmal den o.g. FAZ-Artikel: "Nur wer nachweisen kann, dass er zur Arbeit, zur Universität, zum Arzt oder einem unaufschiebbaren Behördenbesuch unterwegs ist, darf sein Viertel verlassen.")

DIESE Kritik ist aber eine ganz andere Kritik, als die These die herrschende Politik sei Angstmacherei.


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Kommentare:
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ars von 13. Oct 2020 (22:55 Uhr)

Autor: anonym Datum: 15. Oct 2020 09:58 Quelle: http://zf2r4nfwx66apco4.onion

Siehe .pdf-Anhang:

I. Korrektur der Unterstellung, Lockdowns seien irgendwo „als primäres Mittel“ angewandt worden

II. Korrektur der Behauptung, „es stirbt niemand mehr“

III. Korrektur der Behauptung, es bestehe kein hohes Risiko an Covid19 zu sterben

IV. Korrektur der Behauptung, die Zahl der Infizierten steige an, da dies „politisch gewollt“ sei

V. Korrektur der Behauptung, „niemand ... ist (mehr) in Krankenhäusern“

VI. Korrektur der Behauptung, Covid19 sei mit einer Sterberate von nicht einmal 0,4 % verbunden

Datei(en): Korrektur_d_zahlr_unzutreff_Behaupt.pdf
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