[B] Update aus dem Friedrichshainer Nordkiez, Berlin

Autor: anonym Regionen: Berlin Themen: Rigaer Datum: 31. Jul 2020 14:26 Quelle: http://zf2r4nfwx66apco4.onion

*Der folgende Text ist schon ein paar Tage alt und auf barrikade.info ersterschienen. Er soll auch hier nicht fehlen, obwohl er nicht topaktuell ist. *

Was ist nach den Ereignissen vom 9. Juli los im Friedrichshainer Nordkiez? Weil Indymedia offenbar durch DDoS-Angriffe zensiert wird und die Hauptstadtpresse total einseitig publiziert, hier ein Eindruck und Gegeninformationen von vor Ort.

Derzeit findet das Sommercamp vom queer-feministischen Wagenplatz DieselA auf dem Dorfplatz statt. Rund um die Uhr sind also Leute da und es gibt kollektives Essen und Veranstaltungen. Die Sache wurde als Mahnwache angemeldet, weswegen u.a. auch Bullen da sind. Diese belagern sowieso seit dem 9. Juli rund um die Uhr den Kiez. Sie sind permanent mit mehreren Wannen bis zu einer ganzen Hundertschaft rund um den Kiez abgeparkt und bestreifen im Minutentakt die Straße. Man kann also von einer mittlerweile mehr als zweiwöchigen Großoperation reden. Die Einheiten sind meistens passiv, hin und wieder kommt es jedoch zu Aggressionen in Form von Personalienüberprüfungen, Platzverweisen und Belästigungen von Leuten, die herumsitzen. Gegen DieselA wird mit dem Abschleppen einzelner Fahrzeuge vorgegangen.
Es findet trotzdem ein ausgeprägtes und sommerliches Treiben an der Ecke Rigaer Straße/Liebigstraße statt. Der Kiez, der Polizeiterror gewöhnt ist und dieses Jahr sogar einen Umgang mit der eigens gegründeten BPE-Einheit gefunden hat, lässt sich nicht in das von oben verordnete Korsett zwingen. Die Ereignisse um die versuchte Räumung der Rigaer94 werden generell als positiv empfunden. Die Mobilisierung für die Demo am 1. August und die angekündigte Räumung des Syndikats haben dadurch enorm Schub bekommen. Zahlreiche Aktivitäten wie die heutige Demo in Gedenken an die vor einem halben Jahr durch Bullen ermordete Maria und auch die vielen nächtlichen Aktionen im gesamten Bundesgebiet lassen ein gewisses Bewegungsgefühl aufkommen. Der Kampf mit vermeintlich lokalem Charakter lädt damit ausdrücklich zur Beteiligung auch aus anderen Städten ein.

Interessant zu beobachten ist mal wieder die Rolle der Presse. Der Moment der Einigkeit gegen die staatlichen Aggressionen in dieser Stadt wird dort beflissentlich übergangen. Statt anzuerkennen, dass sich die rebellischen Strukturen verteidigen mussten, wird gehetzt. Insbesondere der RBB hat sich wieder vor die Hardliner aus Politik und Polizei gestellt, die den wahren Charakter des sogenannten Rechtsstaats zum Vorschein bringen. Luschnat, der neuerdings behauptet, im Auftrag des Eigentümers der Rigaer94 zu handeln und bei seinem zweiten Einbruchversuch in die Rigaer94 Schläge kassiert hatte, wird konsequent als Hausverwalter bezeichnet, obwohl gerichtlich mehrmals festgestellt wurde, dass ein solcher nicht existiert. Ein besonderes Ding leistet sich der RBB jedoch in der Abendschau vom 22. Juli. Dort wird unter Berufung auf Luschnat behauptet, dass "Besetzer" eine Wohnung im Erdgeschoss der 94 an Obdachlose "regelrecht vermietet" hätten. Um sich nicht selbst die Hände mit dieser offensichtlichen Propagandalüge des Klüngels aus Bullen und gestelltem Hausbesitzer schmutzig zu machen folgt die rhetorische Frage: "Das Haus auch Geldmaschine für Besetzer?". Wohlgemerkt handelt es sich bei der dabei gezeigten Wohnung um diejenige, die den Räumungsplänen nach als Stützpunkt für die Bauarbeiter und Securities dienen sollte. Die Bezeichnung von offensichtlichen Bewohner*innen einer Wohnung als Obdachlose dient dabei nicht nur den Diffamierungsversuchen gegen rebellische Strukturen sondern gleichzeitig als Ausrede, wieso eine offensichtlich möblierte und ausgestattete Privatwohnung ohne Titel gemeinsam mit der Polizei geräumt werden kann.
P.S.

Stand :24.07.


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Link zum Originalartikel

Autor: anonym Datum: 31. Jul 2020 19:09 Quelle: http://raxuatgmxdvnp4no.onion

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